Ethik des Lebens

In diesem mehrjährigen Projekt geht es darum, Möglichkeiten gelingenden Lebens und Sterbens in einer grundsätzlich unsicheren Welt zu reflektieren.

Wenn in der bürgerlichen Gesellschaft von Moral die Rede ist, muss man immer in erster Linie an die Disziplin der Arbeit denken, sagte Adorno in seiner Vorlesung zur Moralphilosophie. Und in der Tat, wir leben immer noch in einer Arbeitsgesellschaft, in der der Wert eines Menschen in erster Linie an seiner Leistungsfähigkeit gemessen wird. Wo uns diese Arbeitsgesellschaft hingebracht hat, erleben wir hautnah an den Katastrophen vom Klimawandel über die Viruspandemie bis zum Krieg. Die Welt ist in einer Weise unsicher geworden, dass sich ernsthaft die Frage des Überlebens stellt.

Das Projekt versucht dagegen, eine Ethik zu entwickeln, die auf individueller und gesellschaftlicher Ebene handlungswirksam wird, indem sie nicht vom Menschen, sondern vom Leben insgesamt ihren Ausgangspunkt nimmt. Wenn man das Gute allein vom menschlichen Individuum her denkt, dann besteht die Gefahr, dass es sich als Partialinteresse gegen das Gemeinsame wendet. Das wohlverstandene Eigeninteresse muss sich aus dem Überlebensinteresse des Ganzen ableiten.

 

 

Bisherige Veröffentlichungen:

Rainer Zech: Expect the Unexpected. Umrisse einer Ethik für unsichere Zeiten. In: Gruppe. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für Angewandte Organisationspsychologie (GIO), 51(4) 2020, S.35-42

Rainer Zech: Gelingendes Leben in einer unsicheren Welt. Ein ethischer Kompass. Göttingen 2022: Vandenhoeck & Ruprecht